Die „Bodypositive“-Bewegung, der Protest gegen Gender-Marketing oder der allgemein verbreitete Schönheits- und Fitnesswahn, der vielen Menschen in unserer Gesellschaft ein Korsett anlegt, andere ausschließt und einige in tiefen Selbsthass stürzt - all dies sind Themen, mit denen wir uns in meiner Arbeit bei Pinkstinks tagtäglich auseinandersetzen. Selbst, wenn ich am Abend zu Hause privat durch meine Facebook-Seite scrolle, lassen mich die meisten Themen nicht los. Im Feminismus gibt es keinen Feierabend, schon gar nicht im Netzfeminismus. Denn da tut sich Einiges! Wie oft denke ich: „Wow! Es ist so viel in Bewegung. Feministische Podcasts, witzige Kampagnen für mehr Körperliebe und #Aufschrei-Debatten gegen Sexismus“ . Mindestens jeder dritte Post auf meiner Seite kann einem feministischen Inhalt zugeordnet werden. Ich bin in einer wohligen Blase, in der so viele Menschen ähnliche Meinungen vertreten wie die meine, sich einsetzen und engagieren, damit wir bald alle gleichberechtigt leben können. Denn gleichberechtigt, dessen sind wir uns alle einig, sind die unterschiedlichsten Geschlechterdefinitionen noch lange nicht. Ich vermute, es geht vielen Menschen, die sich online rund um Feminismus engagieren und informieren, ähnlich: Es scheint so viel zu passieren, doch sobald wir unsere feministische Blase verlassen und auf die Straße gehen, den Fernseher einschalten oder in der Arztpraxis ein Magazin durchblättern, kommt für viele der kalte Schauer.

Bis in die anatomischen Unmöglichkeiten gephotoshopte Frauen sowie Shows wie Germany’s Next Topmodel, die junge Frauen als Kamera-Objekte degradieren und ihnen einen utopischen Körper vorschreiben, der viele in Selbsthass stürzt, lassen uns zweifeln. Ebenso erwecken Fernsehsendungen und Werbung, die uns genderstereotype Bilder reproduzieren, dass das Gefühl aufkommt, wir würden noch in den 50er Jahren leben, den Eindruck eines feministischen Stillstandes. Wer die feministische Filter-Blase, sei es offline oder online kennt, der weiß jedoch, wie viel passiert und welche feministischen Aktionen in den letzten Jahren angestoßen wurden. Es gibt so viel Potenzial und Veränderungsmöglichkeiten, die wir jedoch gemeinsam aus unserer Feminismus-Blase in den Mainstream tragen müssen. Dafür brauchen wir frische Gedanken und Lust auf neue Strategien, die wir gemeinsam entwickeln und gestalten können. Die Veranstaltung „Online trifft offline“ bietet eine tolle Plattform auf Augenhöhe, um gemeinschaftlich Herausforderungen und Fragen von genderspezifischen Themen bearbeiten zu können. Im Fishbowl: „Lust auf neue Strategien? Lust auf neue Strategien!“ wollen wir genau das tun. Interaktiv und kreativ diskutieren und Methoden entwickeln, damit neue oder alte feministische Ideen einen frischen Anstoß bekommen und aus unserer Filter-Blase hinaus in die Welt getragen werden können.

 

Lisa Lehmann studierte Soziologie, Politikwissenschaften und Gender Studies in Mannheim und Bielefeld. Nebenbei arbeitete sie für die Friedrich-Ebert-Stiftung sowie beim Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung. Sie sammelte zudem Erfahrungen bei Terre des Femmes und der Amadeu Antonio Stiftung. Seit September 2015 arbeitet sie als Campaignerin bei Pinkstinks.

Kommentare (2)

Kommentare können Sie nur abgeben, wenn Sie eingelogged sind.

vorname nachname

26.11.2016 11:09

Sexuelle Gewalt: Neue Studien belegen geringe Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Opfern: http://www.heise.de/tp/artikel/49/49666/1.html

Moderationsteam "Online trifft offline"

25.01.2017 09:57

Die „neuen Studien“, auf die hier Bezug genommen wird, sind nach eigener Aussage des Autors nicht repräsentativ und beziehen sich auch nicht auf Deutschland.