Jenni Stille: "Onlineberatung – niedrigschwellige und zeitgemäße Hilfe im Netz – aber sicher!!!!"

Logo des Maedchenhauses BielefeldWir haben, als Mitarbeiterinnen des Mädchenhauses Bielefeld e.V., die sehr inspirierende Fachtagung besucht und sie als sehr bereichernd für unsere Arbeit erlebt. Jedoch waren wir erstaunt über das Fishbowl-Statement auf dem Podium, dass Onlineberatungen aus Datenschutzgründen riskant seien. Wir stimmen dieser Einschätzung nicht zu und haben Sorge, dass Besucher_innen des Fachtages aufgrund der dadurch entstandenen Verunsicherung diesen niedrigschwelligen Beratungszugang ihren Klient_innen nicht zur Verfügung stellen. Natürlich ist im Rahmen eines normalen E-Mail-Accounts eine Beratung nicht sicher. Aber es gibt technische Möglichkeiten geschützte Onlineberatungen anzubieten. Es ist uns ein Anliegen, gerade im Zusammenhang mit einer Fachtagung zu dem Thema „Online trifft offline“, darüber zu informieren.

Schon seit 2003 bieten wir im Mädchenhaus Bielefeld e.V. über die Beratungssoftware „beranet“ Onlineberatung an. Die sogenannte virtuelle Beratungsstelle liegt auf einem sicheren Server. So können die Daten nicht von anderen abgefangen bzw. gelesen werden. Für Ratsuchende gibt es einen geschlossen Beratungsbereich (unabhängig von einem normalen E-Mail-Account). Hier melden sich Berater_innen und Klient_innen mit ihrem Login-Namen und Passwort an, ohne ihre E-Mail-Adresse, Namen oder persönliche Daten angeben zu müssen. Für die sichere Übertragung der Login-Daten ist ein SSL-Zertifikat eingebunden, vergleichbar mit dem sicheren Bereich beim Online-Banking.

Laut der Bitkom-Studie von 2014 nutzen 94% der Jugendlichen täglich das Internet. Wir wollen die Mädchen und jungen Frauen dort erreichen, wo sie sich aufhalten- und zwar im Netz! Gerade bei sehr angst-, schuld-, oder schambesetzten Themen wird die hohe Anonymität einer Onlineberatung als Schutz empfunden, so dass wir damit Mädchen erreichen, die sonst den Weg in eine Beratungsstelle nicht gefunden hätten.

Auch für Mädchen im ländlichen Raum, Mädchen, die eine Behinderung haben oder bedroht sind und/oder stark kontrolliert werden, ist die smartphone-kompatible Onlineberatung ein unmittelbarer und ihrer Lebenswelt entsprechender Zugang, um Hilfe und Unterstützung zu bekommen.

 

Onlineberatungen des Mädchenhauses Bielefeld e.V.:

Beratungsstelle für Mädchen und junge Frauen (sechssprachige Onlineberatung) unter www.maedchenhaus-onlineberatung.de

Fachberatungsstelle gegen Zwangsheirat (sechssprachig) unter www.zwangsheirat-nrw.de

Gewaltschutz bei Behinderung (auch in türkisch und in leichter Sprache) www.mädchensicherinklusiv-nrw.de

(die zwei letzten Angebote werden vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert)

Gerne können Sie uns auch in Ihre Einrichtung einladen, um sich über die besonderen Möglichkeiten der Onlineberatung zu informieren. Rufen Sie uns einfach an!

Ansprechpartnerin: Jenni Stille

Tel.: 0521 17 88 13 I E-mail: maedchenhaus-bielefeld@t-online.de I  www.maedchenhaus-bielefeld.de

Jenni Stille, geb. 1973, ist Diplom-Sozialpädagogin und Systemische Beraterin.Seit 2003 berät sie Mädchen und junge Frauen im Mädchenhaus Bielefeld e.V. (auch online ☺). Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Öffentlichkeitsarbeit und Internetpräsenz des Mädchenhauses Bielefeld e.V. u.a. auch bei facebook.

 

Das Mädchenhaus Bielefeld e.V.unterstützt seit fast 30 Jahren - mit verschiedenen ambulanten und stationären Angeboten - Mädchen und jungen Frauen, die sexualisierte, körperliche und seelische Gewalt erlebt haben. Mädchen und junge Frauen werden darin gestärkt und unterstützt, für sich neue Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Ein wesentliches Prinzip des Vereins ist die feministische Grundhaltung, die interkulturelle Ausrichtung und die Parteilichkeit für die Mädchen, unter Einbeziehung aktueller Entwicklungen und Themen wie z. B. Inklusion, Flucht, Neue Medien oder Diversität. 

Kommentare (6)

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Sabine Rusch-Witthohn

26.07.2016 10:29

Onlineberatung kann vielleicht für Mädchen und für Frauen, die neu zugewandert sind, eine große Möglichkeit sein sich zu informieren, sich sozial zu vernetzen, ihre Rechte kenn zu lernen. Auch wenn dabei anfangs wäre Sprachmittlung notwendig wäre, könnte das auch Sprachlernen fördern.

Merve Akal

14.04.2016 21:43

Das ist erleichternd. Nach der Tagung dachte ich nämlich auch, dass es "nicht so gut" sei Onlineberatung in Anspruch zu nehmen. Nach diesem Beitrag bin ich natürlich voll überzeugt vom Gegenteil und von der Sicherheit dieser Form der Beratung.

Jenni Stille

27.04.2016 09:09

Das freut mich sehr!!! Bei Fragen können Sie sich immer gerne an uns wenden! Meine Kontaktdaten finden Sie im Blogbeitrag.

Marc Jelitto

04.04.2016 12:25

Online-Beratung kann aber auch andere Formen als die 1:1-Form annehmen. Im Rahmen einer BZgA-Studie haben Mitarbeitende in normalen Diskussionsforen fachliche Beiträge gepostet. Diese sind i. d. R. gut angenommen worden. Zielgruppe ist dabei nicht die fragende Person, sondern die zahlreichen Leser_innen, die teilweise Jahre später die Diskussionen lesen.
Quast, Thomas; Markus Gabriel, Jörg Hoewner, Marc Jelitto (2016): Social Media in der gesundheitlichen Aufklärung. BZgA (Hrsg.): Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung, Band 48. http://www.bzga.de/infomaterialien/forschung-und-praxis-der-gesundheitsfoerderung/?idx=2635 ab S. 86

Jenni Stille

06.04.2016 09:29

Sehr spannend! Vielen Dank für den Hinweis!

Erika Voß

31.03.2016 08:04

Danke für die Richtigstellung zum Datenschutzrisiko bei der Beratung!