Darum geht's

Die digitale Welt ist keine parallel existierende, sondern Teil der, in der wir leben. Online und analog gehen ineinander über, klare Trennlinien fehlen. Lebenswirklichkeiten verlagern und überlappen sich. Immer mehr findet frauenpolitisches Engagement auch – oder ausschließlich – im Internet statt. Dabei bietet es gerade marginalisierten Gruppen einen Raum, um eine Teilöffentlichkeit zu schaffen, in der sie Gegendiskurse entwickeln und verbreiten können. Alternative Lebenswelten und Perspektiven werden sichtbar, sie erfahren Verbreitung und Bestätigung. Damit stellt das Internet – und hier ist insbesondere die Rolle der sozialen Netzwerke bedeutsam – ein Instrument des Empowerments dar.

Frauenpolitisches Engagement im Netz ist wirkmächtig, Kampagnen erreichen in kürzester Zeit und in einem globalen Umfang ihre Zielgruppen, werden von herkömmlichen Medien aufgegriffen und verstärkt, beeinflussen politische Entscheidungsträger*innen. Die Hashtags #aufschrei oder in der Nachfolge #ausnahmslos sind beeindruckende Beispiele. Netzfeministische Akteur*innen zeigen sich sowohl in ihren Beweggründen, als auch in ihren Strategien, Aktionen und Zielen global vernetzt. Dem sind netzferne Strategien nicht mehr gewachsen.

Wir verzeichnen weitere Veränderungen: Auch in der Frauenpolitik verlagern sich klassische Beratungsangebote zunehmend ins Netz, mit neuen Möglichkeiten, aber auch Beschränkungen, in jedem Fall mit neuen Anforderungen an die Gestaltung der Beratung. Auch herkömmliche Frauenberatungs- und Hilfestrukturen bewegen sich zunehmend im digitalen Kontext, denn dieser verändert Beratungsinhalte und erfordert neue Schutz- und Hilfeangebote.

All dies und noch viel mehr stellt die Gleichstellungspolitik des Landes vor neue Herausforderungen. Auch frauenpolitisch gilt es, den digitalen Aufbruch mit zu gestalten. So ist, eingebettet in die Open.NRW-Strategie des Landes, in diesem Jahr die Gleichstellung in der digitalen Gesellschaft ein Schwerpunktthema des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter NRW. Einen spannenden Auftakt bot dafür die Veranstaltung Online trifft offline – Feministische Diskurse und Strategien zum Internationalen Frauentag am 11. März 2016.

Wir wünschen uns einen frauenpolitischen Aufbruch, um die Herausforderungen gemeinsam anzunehmen. Denn: Die Dynamik des digitalen Wandels ist ungebrochen und unvorstellbar groß, er erfasst immer mehr alle Aspekte unseres Lebens. Wichtig, dass wir Frauen mitmischen und mitgestalten.

Die Gleichstellung der Geschlechter ist kein Selbstläufer – bleiben wir im Dialog! Online wie offline!